Die Legende
Das Lohweibchen
Zwischen Steinebach und Isenburg erzählt man sich seit Jahrhunderten von einer unheimlichen Gestalt, die nachts durch die Wälder zieht: dem Lohweibchen.
Vorsicht vor der Hasenfrau aus dem Kutschengraben.
Das Lohweibchen war — oder ist — eine geheimnisvolle junge Frau mit langem, wehenden Haar und tiefdunklen Augen. Ihre Schönheit wirkt beinahe übernatürlich. Doch wer ihr begegnet, erkennt schnell: Ihre untere Körperhälfte gleicht der eines Hasen.
Der Sage nach steigt sie nachts aus den Ruinen der alten Steinebacher Ritterburg empor und fährt mit einer dreirädrigen Kutsche durch die Wälder Richtung Isenburg.
Doch sie nutzt keine Straßen. Stattdessen folgt sie einem eigenen Weg — dem sogenannten „Kutschengraben“, der bis heute als tiefer Bachgraben durch den Wald verläuft.
Wer ihr begegnet …
Menschen, die dem Lohweibchen nachts begegnen, sollen verschwunden, verschleppt oder verprügelt worden sein.
Sie springt Wanderern auf den Rücken. Sie entführt Menschen zur Isenburg. Manche Opfer werden lediglich verprügelt.
Besonders gefürchtet war ihre Erscheinung an nebligen Herbstabenden, wenn zwischen den Bäumen plötzlich das Rattern ihrer unsichtbaren Kutsche zu hören gewesen sein soll.
Der Weißbinder von Herschbach
Einer der bekanntesten Berichte erzählt von einem Weißbinder aus Herschbach.
Der Mann verspätete sich an einem dichten Herbstabend auf seinem Heimweg und musste den Kutschengraben überqueren. Als er im Nebel über den Graben sprang, landete er plötzlich in weichen Polstern — und erhielt sofort vier harte Faustschläge.
In panischer Angst glaubte er, in der Kutsche des Lohweibchens gefangen zu sein. Er konnte sich befreien, erreichte die andere Seite des Grabens und brach dort um Hilfe rufend zusammen.
Die Dorfbewohner fanden schließlich: keinen Dämon. Keine Geisterkutsche.
Sondern ein altes Pferd, das hilflos im Graben auf dem Rücken lag und wild strampelte.
Was bedeutet eigentlich „Lohe“?
Das Wort „Lohe“ stammt vom altdeutschen lô und bezeichnet Wald, Gehölz oder feuchte Niederungen. Begriffe, die erstaunlich gut zur Landschaft zwischen Steinebach und Isenburg passen.
Gleichzeitig beschreibt „Lohe“ auch eine rotbraune Farbe, die aus Baumrinde gewonnen wurde — vielleicht ein Hinweis auf das lange, rötliche Haar des Lohweibchens.
Bildergalerie
Eindrücke vom Pfad
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Warum sich dieser Pfad lohnt
Der Reiz des Lohweibchens liegt nicht in einem einzelnen spektakulären Aussichtspunkt. Die Geschichte funktioniert über Stimmung.
Über Waldwege, alte Steine, feuchte Erde und dieses Gefühl, dass hinter der nächsten Biegung etwas wartet. Genau deshalb eignet sich die Sage gut für eine ruhige Tour: nicht hetzen, nicht abhaken, sondern langsam gehen.